Weltweit erste HTC-Anlage im Karlsruher Rheinhafen

Das Zuger Unternehmen AVA-CO2 hat in Karlsruhe die weltweit erste Industrie-Anlage zur Gewinnung von Kohle aus Bioabfällen offiziell in Betrieb genommen. Wofür die Natur Millionen von Jahre gebraucht hat, macht sie in drei Stunden.

Das Verfahren ist knapp 100 Jahre alt. Der spätere Chemie-Nobelpreisträger Friedrich Bergius hat im Jahr 1913 die Hydro-Thermale Karbonisierung (HTC) erfunden. Dabei wird - vereinfacht erklärt - im Nassverfahren und im Zusammenspiel von Druck, Hitze und Zitronensäure als Katalysator die in der Biomasse enthaltene Energie frei und löst den vorhandenen Kohlenstoff heraus. Jetzt hat das Unternehmen AVA-CO2 erstmals gezeigt, dass sich die HTC-Methode eignet, auch in industrieller Dimension Biokohle und Wärme zu produzieren.

Drei Stunden statt Millionen Jahre

Wofür die Natur Millionen von Jahren gebraucht hat – die Verkohlung von Pflanzenresten -, das geht in Karlsruhe nun ganz schnell. Die Anlage in der Nähe des Rheinhafens fasst 14.400 Liter und kann 8.400 Tonnen Biomasse im Jahr verarbeiten. Die Herstellung des Kohlepulvers dauert lediglich zwei bis drei Stunden. Die hydrothermale Karbonisierung zeichnet sich laut Darstellung von AVA-CO2 unter anderem dadurch aus, dass auch pflanzliche Biomasse mit hohem Wassergehalt verarbeitet werden kann. „Da Pflanzen beim Wachsen Kohlenstoff binden und beim Verrotten wieder freigeben, arbeitet unsere Anlage durch die Gewinnung des Energieträgers aus Biomasse CO2-neutral“, sagt Bertram Anderer, einer der beiden Geschäftsführer der Firma mit Sitz in Zug.

Sauberes Abwasser

Verwaltungsratspräsident Peter Achermann hob bei der Eröffnung der Anlage die künftigen Möglichkeiten hervor. „Im industriellen Maßstab eingesetzt, eröffnet HTC völlig neue Perspektiven bei der Reduktion von Treibhausgasen und der Gewinnung erneuerbarer Energien.“ Neben der Herstellung der „AVA bluecoal“ fällt so viel Wärme an, dass sie nicht nur in den Prozess eingespeist, sondern zusätzlich etwa für Fernheizungen genutzt werden kann. Das Verfahren hat laut Darstellung des Unternehmens noch eine Reihe von weiteren Vorteilen. Im nassen Prozessverfahren werde die aufwendige Trocknung der Ausgangsstoffe überflüssig. Zudem könne die Anlage mit einem breiten Spektrum von Stoffen „gefüttert“ werden. Dazu kommt laut AVA-CO2, dass das Abwasser in aller Regel unproblematisch sei. Es werde lediglich einer Reinigung unterzogen, um darin noch vorhandene Wertstoffe aus der Biomasse zu gewinnen. Sie könnten dann wieder als Dünger der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Die gewonnene Biokohle könne problemlos gelagert und effizient transportiert werden. Alternativ kann mit dem HTC-Verfahren auch das humusähnliche „AVA biochar“ erzeugt werden, das zur Bodenverbesserung und zur CO2-Speicherung eingesetzt wird.

Anfragen aus aller Welt

Der Beweis der Industriereife des HTC-Verfahrens dient AVA-CO2 als Referenz für künftige Kunden, für die das Zuger Unternehmen ähnliche Anlagen planen, bauen und betreiben will. „Wo immer kontinuierlich große Mengen an Biomasse anfallen, kann das HTC-Verfahren von einer Vielzahl von Industrien und Anwendungen profitabel angewendet werden“, sagte der andere Geschäftsführer, Jan Vyskocil, bei der Einweihung der Anlage vor rund 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Forschung. Die Karlsruher HTC-Reaktoren sind für Bier-Trester vorgesehen, der bei Brauereien in hohen Mengen anfällt. Marketingchef Thomas M. Kläusli nennt auch andere Branchen der Getränke- und Lebensmittelindustrie als Zielgruppe. Je näher die Anlagen bei den Kundenunternehmen gebaut werden könnten, desto mehr verbessere sich ihre Energiebilanz. Anfragen von Interessenten liegen laut Kläusli bereits aus mehreren europäischen Ländern und aus Übersee vor - insbesondere aus Südamerika.

In Karlsruhe ist die Produktion nicht ganz zufällig angesiedelt. AVA-CO2 hat bei der Umsetzung des HTC-Verfahrens in industrielle Praxis mit dem Karlsruher Institut für Technologie zusammengearbeitet - einer der größten Einrichtungen der technologischen Forschung in Europa.

DATEN UND FAKTEN

DATEN UND FAKTEN

Verfahren:

Hydro-Thermale-Karbonisierung


Fassungsvermögen: 14.400 Liter


Kapazität: 8.400t Biomasse/Jahr


Prod.-dauer Kohlepulver: 2-3 h

KONTAKT

KONTAKT

AVA-CO2 Forschung GmbH

Im Schlehert 14

76187 Karlsruhe

 

www.ava-co2.com

 

0721 / 914 50 81

contact@ava-co2.com

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