Sanierung einer Hochhaus-Wohnanlage in Oberreut

In Karlsruhe wurden drei Blöcke einer Hochhausanlage von 1969/71 mit 375 Wohnungen saniert. Wärmedämmung und Fenster entsprechen jetzt dem Niedrigenergiehausstandard. Durch den verbesserten Wärmeschutz und die Modernisierung der lüftungstechnischen Einrichtungen, der Heizzentrale sowie den Einsatz eines Blockheizkraftwerkes konnte der Primärenergiebedarf im Vergleich zum vorherigen Zustand um ca. 3/4 reduziert werden. Einer der drei 7- bis 12-geschossigen Wohnblöcke mit 147 Wohnungen wurde darüber hinaus im Rahmen eines Forschungsvorhabens mit Einzelraumregelungen zur Heizwärme- und Lüftungssteuerung ausgestattet. In 76 Wohnungen wurden Systeme zweier verschiedener Hersteller installiert. Die Sanierungsarbeiten begannen im Herbst 2000 und dauerten bis Ende 2001. Das anschließende Messprogramm wurde im Frühjahr 2004 abgeschlossen.

Mit dem Vorhaben sollten praktische Erfahrungen bei der ganzheitlichen Sanierung von Großwohnbauten gesammelt und im Detail dokumentiert werden. Untersucht wurde die energetische Wirkung einzelner Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere die Wirkung von Einzelraumregelungssystemen und bedarfsabhängiger Wohnraumbelüftung. Außerdem war die Akzeptanz eines neuen Lüftungs- und Regelungssystems durch die Bewohner sowie der Einfluss des Nutzerverhaltens auf den Erfolg der Maßnahme Gegenstand der Untersuchungen.

Energiekonzept
Die Sanierungsmassnahmen umfassen eine Modernisierung der bestehenden Fassade und der Heizungs- und Lüftungstechnik. Ziel war es, den Heizwärmebedarf von 120 auf 56 kWh/m²a zu reduzieren.

Die Wärmeerzeugung erfolgt nun über eine Heizzentrale mit Erdgas-NT-Kessel und zwei BHKW-Modulen. 80 % der Grundlast werden über die BHKW-Module gedeckt. Der Heizenergieverbrauch (Nutzenergie) konnte von 98,5 kWh/m²a auf 55,4 kWh/m²a gesenkt werden. Neue Thermostatventile wurden im gesamten Gebäudekomplex installiert. Die Wohnungen in der Goerdelerstrasse 14-16 erhielten zwei Systeme zur Einzelraumregelung. Hier liegt der Verbrauch je nach System bei 43,9 (System 1) bzw. 37,6 kWh/m²a (System 2). Vorteile für System 2 zeigen sich vor allem in der Übergangszeit, wenn sich das effizientere Regelungsverhalten stärker auswirkt. Das System ermittelt aus den gemessenen Raumtemperaturen, den Positionen der Stellantriebe sowie der Außentemperatur einen Korrekturfaktor für den Sollwert der Vorlauftemperatur, der an die zentrale Regelung des Gebäudes weitergegeben wird. Der Wärmeverbrauch ist in den einzelnen Wohnungen sehr unterschiedlich. So wurden in den Wohnungen mit System 2 zwischen 5 und 49 kWh/m²a gemessen. Die Ansprüche an die Raumlufttemperatur variierten von 19 °C bis 25 °C. Als problematisch erwies sich, dass durch schlecht gedämmte Steigleitungen und Wärmeausdehnungsleitungen der Anteil an ungeregelter Wärmezufuhr besonders hoch ausfällt.

Im Zuge der Sanierung der Lüftungsanlage wurden die veralteten Dachventilatoren gegen permanent betriebene und zentral gesteuerte Geräte mit Konstantdrucksteuerung und Sockelschalldämpfern ausgetauscht. Die Wohnungen erhielten Abluftventile mit veränderbaren Luftmengen (Grund, Bedarfslüftung) in Küche, Bad und WC. Die Zuluft erfolgt über regelbare Außenluftdurchlässe mit Sturmsicherung.

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